Bundesamt für Naturschutz

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Bericht nach Vogelschutz-Richtlinie

Ergebnisse

Die von Deutschland mit dem nationalen Bericht 2013 nach Art. 12 der EU-Vogelschutzrichtlinie zusammengestellten Daten bilden eine wichtige Informationsbasis für die weitere Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie in Deutschlands. Hier finden Sie die Ergebnisse von ersten Auswertungen auf der Basis der Berichtsangaben. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von BMUB und BfN am 26. März 2014 zur  Lage der Natur in Deutschland (pdf-Datei, 3 MB) wurden die Analysen der Öffentlichkeit vorgestellt.

 zu den Berichtsdaten 2013

Brutvögel

Nach den Ergebnissen des Vogelschutzberichtes hat sich der Anteil von Arten mit Bestandsabnahmen im 12-Jahres-Zeitraum gegenüber dem 25-Jahres-Zeitraum deutlich erhöht: über den kurzfristigen Zeitraum zeigt ein Drittel aller Brutvogelarten (84 Arten) signifikante Bestandsrückgänge, über den längeren Zeitraum war es lediglich ein Viertel der Arten (65 Arten). Die stärksten Anteile rückläufiger Bestände weisen Arten des Offenlandes und des Siedlungsbereiches auf. In der Agrarlandschaft hat sich die Anzahl der Vögel über die letzten dreißig Jahre halbiert.

Bestandstrends über 12 Jahre von 250 Brutvogelarten; angegeben ist jeweils die Anzahl der Arten
Bestandstrend der Anzahl der Brutvogelarten der letzten 12 Jahre: 61 Arten stabil, 28 fluktuierend, 75 zunehmend, 84 abnehmend, 2 unbekannt
Bestandstrends über 25 Jahre von 250 Brutvogelarten; angegeben ist jeweils die Anzahl der Arten
Bestandstrend der Anzahl der Brutvogelarten der letzten 25 Jahre: 70 Arten stabil, 248 fluktuierend, 92 zunehmend, 65 abnehmend, 2 unbekannt

Landwirtschaft

Die Bestandssituation der Vogelarten der Agrarlandschaft ist äußerst kritisch. Die meisten Vogelarten, die auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, gehen wegen der hohen Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung weiter im Bestand zurück. Bei den vorwiegend in Feuchtwiesen am Boden brütenden Arten wie Kiebitz und Uferschnepfe setzen sich die Bestandsverluste seit Jahrzehnten fort. Die wichtigsten Ursachen für die Gefährdung von wertgebenden Vogelarten sind der Verlust der Brut- und Nahrungslebensräume durch eine zunehmend intensive Landwirtschaft sowie die Entwässerung von Nutzflächen. Die großflächige landwirtschaftliche Intensivnutzung führt zu ungünstigen Lebensbedingungen: Bodenbrüter leiden unter häufiger Bodenbearbeitung und landwirtschaftlichen Arbeitsgänge, unter Nahrungsmangel infolge Biozideinsatzes und unter zu dichten, undurchdringlichen Kulturpflanzenbeständen. Wichtige Nahrungsorganismen wie Bodentiere und Insekten sind Mangelware, weil sie auf den ausgeräumten, von Ackerbegleitflora weitgehend bereinigten Nutzflächen kaum überlegen können. Hecken, Säume und ungenutzte Brachflächen stehen nur in geringem Umfang zur Verfügung, weil selbst solche oftmals wenig ertragreichen Landschaftselemente regelmäßig in die Nutzung einbezogen werden. Um die Bearbeitung zu vereinfachen, wurden vielerorts Reliefunterschiede auf den Nutzflächen entfernt, sodass der damit ursprünglich verbundene kleinräumige Wechsel nasser, feuchter, frischer und trockener Standorte heute kaum noch vorhanden ist.

Überwinterer

Bei den Überwinterern überwiegen die Arten mit zunehmenden Beständen, was sowohl für die Trends über die letzten 25 als auch über die letzten 12 Jahre gilt. Knapp 30 % der überwinternden Wasservogelarten zeigten über den 12-Jahreszeitraum Bestandszunahmen, während 17 % abnehmende Populationen aufwiesen. Viele Schwanen-, Gänse- und Entenarten weisen stabile Bestände oder positive Bestandstrends auf. Sie profitieren von einem verbesserten Schutz vor allem in den mitteleuropäischen Überwinterungsgebieten und Einschränkungen der Jagd (v. a. in Deutschland), günstigeren Überwinterungsbedingungen und einem verbesserten Nahrungsangebot. Bei den überwinternden Wasser- und Watvogelarten mit Bestandsrückgängen mussten auffallend viele muschelfressende Arten drastische Rückgänge bei ihren Rastbeständen erleiden.

Bestandstrends über 12 Jahre von 78 überwinternden Wat- und Wasservogelarten; angegeben ist jeweils die Anzahl der Arten
Bestandstrend der Anzahl der überwinternden Arten der letzten 12 Jahre: 2 Arten stabil, 24 fluktuierend, 22 zunehmend, 13 abnehmend, 17 unbekannt
Bestandstrends über 25 Jahre von 78 überwinternden Wat- und Wasservogelarten; angegeben ist jeweils die Anzahl der Arten
Bestandstrend der Anzahl der überwinternden Arten der letzten 25 Jahre: 11 Arten stabil, 13 fluktuierend, 26 zunehmend, 15 abnehmend, 13 unbekannt

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Erfolge des Vogelschutzes

Gerade für Vogelarten, deren Bestände in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Einbußen erlitten haben, werden von den Naturschutzverbänden und -behörden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den bedrohten Arten zu helfen. Die Aktivitäten reichen vom Anbringen von Nisthilfen über den Kauf öko­logisch wertvoller Flächen und deren naturverträgliche Bewirtschaftung bis hin zu Entschädigungszahlungen für Ertragseinbußen an Landwirtinnen und Landwirte und Waldbesitzer/innen. Die Praxis zeigt, dass durch spezielle Artenhilfsmaßnahmen vor allem seltenen Großvogelarten geholfen werden kann.

Das Anbringen von Kunsthorsten und Nisthilfen ist eine einfache und wirksame Maßnahme, um die Brutbestände bedrohter Arten zu fördern: Fischadler und Wanderfalke haben davon profitiert. Um Erfolge beim Schutz bedrohter Arten zu erreichen, müssen jedoch auch die Lebensräume ausreichend Nahrung bieten und die Vögel ihren Nachwuchs ungestört aufziehen können. Zur Verbesserung der Bestandssituation von einigen Greifvögeln hat die Einschränkung der Jagd ebenso beigetragen wie das Verbot der Anwendung schädlicher Pestizide (DDT). Für den nachhaltigen Schutz vieler bedrohter Vogelarten sind Artenhilfsprogramme heute unverzichtbar. Langfristig können diese Maßnahmen aber nur greifen, wenn dem Erhalt der natürlichen, ungestörten Lebensräume höchste Priorität eingeräumt wird. Mit der Ausweisung von Besonderen Schutzgebieten auf der Grundlage der Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union ist Deutschland auf einem guten Weg, die reichhaltige Artenvielfalt als nationalen Beitrag zum europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 zu sichern.

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Downloads

 Vögel in Deutschland 2014 (barrierefreie pdf-Datei, 13,3 MB)

 Vögel in Deutschland 2013 (barrierefreie pdf-Datei, 5,4 MB)

 Lage der Natur in Deutschland (pdf-Datei, 3 MB)

 Bestände und Trends von Brutvögeln (barrierefreie pdf-Datei, 138 KB)

 Bestände und Trends von Überwinterern (barrierefreie pdf-Datei, 88 KB)

 Steckbriefe von ausgewählten Vogelarten (pdf Datei, 1,2 MB)

Letzte Änderung: 27.09.2017

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