Bundesamt für Naturschutz

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Grundwassernutzung


Grundwasser ist ein integraler Bestandteil des Wasserkreislaufs und damit eine wichtige Lebensgrundlage für alle terrestrischen und limnischen Ökosysteme und unsere wichtigste Ressource in der Trinkwassergewinnung sowie in vielen Regionen maßgebliche landwirtschaftliche Produktionsgrundlage.

Es bestehen enge Bezüge zwischen der Umsetzung der FFH -Richtlinie, der Vogelschutzrichtlinie und den beiden Richtlinien zum Schutz der Gewässer, der  Wasserrahmenrichtlinie für die Oberflächengewässer und deren Einzugsgebiete sowie der  Grundwasserrichtlinie, deren Umsetzung in nationalen und Länderrecht aber erst am Anfang steht. Von den 91 nach Anhang I der FFH -Richtlinie in den Natura 2000-Gebieten in Deutschland zu schützenden Lebensraumtypen sind mehr als ein Drittel (z. B. Moore, feuchte Heiden) direkt vom Grundwasserstand abhängig. Weitere 15 Lebensraumtypen sind in bestimmten Ausbildungen grundwasserabhängig ( Wasserabhängige Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH -Richtlinie). Grundwasserstände und die Qualität des Grundwassers entscheiden maßgeblich über den Erhaltungszustand dieser Lebensraumtypen. Dies trifft auch für eine Reihe von geschützten Arten zu, insbesondere für Wat- und Wasservögel und typische Vogelarten der Feuchtgebiete.

Das Grundwasser stellt aber auch einen eigenen ganz besonderen Lebensraum mit Tausenden von verschiedenen Tierarten wie z. B. winzigen Krebsen dar. Diese Tierarten sind oft Reliktformen, lebende Fossilien oder endemisch, sind also in Ihren Vorkommen auf ganz kleine Gebiete beschränkt. Sauberes Grundwasser ist nicht zuletzt das Ergebnis des Wirkens dieser Mikroorganismen. Über die Funktionsweise von Grundwasserökosystemen und der hochangepassten Tiere ist noch immer sehr wenig bekannt und es besteht entsprechender Forschungsbedarf.

Grundwasser bzw. grundwasserabhängige Lebensräume sind v. a. durch zwei Dinge gefährdet: Grundwasserabsenkung und stoffliche Einträge, z. B. von Nitrat und Phosphat oder Schadstoffen. Eine Grundwasserabsenkung führt oft auch zu sekundären Effekten wie der Veränderung der Bodenstruktur – oder, v. a. bei Mooren und humusreichen, wassergesättigten Böden – zu Stickstofffreisetzung und Eutrophierung infolge ihrer Mineralisierung und entsprechender Keimzahlbelastung. Diese sekundären Effekte können zu zusätzlichen negativen Auswirkungen auf die Lebensräume führen.

Grundwasserentnahmen für Zwecke der Trinkwassergewinnung oder für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen stehen oft in einem Spannungsverhältnis mit den Wasseransprüchen der Ökosysteme sowie den Erfordernissen des Naturschutzes zum Erhalt der biologischen Vielfalt und einem ausgewogenen Gebietswasserhaushalt. Für (neue oder erweiterte) Grundwasserentnahmen in Natura 2000-Gebieten gelten die üblichen Anforderungen der   FFH -Verträglichkeitsprüfung. Dies gilt auch für Grundwasserentnahmen im Wassereinzugsbereich von Natura 2000-Gebieten, sofern diese mit erheblichen Beeinträchtigungen Schutzziele der jeweiligen Gebieten verbunden sein können. Die Grundwasserbewirtschaftung kann in Natura 2000-Gebieten eine wesentliche Komponente der Managementplanung sein.

Gute Praxisbeispiele für die Grundwassernutzung und das Management von Natur 2000 (siehe  Broschüre "Natura 2000 - Kooperation von Naturschutz und Nutzern") sind:

  • Umweltschonende Wassergewinnung am Vogelsberg
  • Optimierung der Grundwasserbewirtschaftung im Donauried

Letzte Änderung: 21.03.2011

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